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Filmplakat

Die Tribute von Panem - The Hunger Games

Zu Recht gehypt 


Jahr: 2012
Land: USA
Regie: Gary Ross
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth
FSK:
Start: 22.03.2012

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Sehr hektisch, sehr wacklig sind die ersten Bilder, die das gespannte Publikum von Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) zu sehen bekommt. Clint Eastwoods Lieblingskameramann Tom Stern geht nah ans Geschehen ran, bis zur Unschärfe, wenn es sein muss. Eine unorthodoxe Wahl für ein Projekt, dass als das nächste große Ding in der jüngeren Zielgruppe gehandelt wird. Später, wenn auf der Leinwand das Blut zu fließen beginnt, wird man dafür dankbar sein.

Mehr noch als durch die Kameraführung unterscheidet sich die neue Saga jedoch durch ihren außerordentlich ernsten Grundton von den erfolgreichen Vorbildern der letzten Jahre: Die Zuschauer haben nicht viel zu lachen. Weil Katniss nicht viel zu lachen hat. Die 16-Jährige lebt unter erbärmlichen Verhältnissen in einem futuristischen Land namens Panem, das früher einmal die USA war und - wie ein Propagandafilm im Film erklärt - nach einem langen, Jahrzehnte zurückliegenden Krieg nun in zwölf Distrikte unterteilt ist, die das siegreiche Kapitol strengstens kontrolliert.

Jahr für Jahr werden aus der Bevölkerung eines jeden Distrikts ein männlicher und ein weiblicher Teenager ausgelost und als Tribute ins mit beeindruckender Detailvielfalt dargestellte Kapitol entsandt, um dort im Rahmen eines riesigen Medienspektakels gegeneinander und gegen die Tribute der anderen Distrikte zu kämpfen - bis zum Tod. Ob sich die futuristische Gesellschaft da wohl von Paul Michael Glasers "Running Man" (1987) inspirieren ließ?

Als das Los in Distrikt zwölf auf Katniss' geliebte kleine Schwester Prim (Willow Shields) fällt, meldet sich die jagderfahrene Bogenschützin in ihrer Verzweiflung freiwillig. Gemeinsam mit dem männlichen Tribut, Peeta Mellark (Josh Hutcherson), wird sie vor tausenden Kameras in die Schlacht geschickt.

Der nette blonde Junge gehört zu den wenigen Charakteren, die zumindest als Neben- und nicht als Randfiguren gezählt werden dürfen. Äußerst flüchtig führt Gary Ross etwa Katniss' Seelenverwandte Gale (Liam Hemsworth), ihren Mentor Haymitch (Woody Harrelson), den Stylisten Cinna (Lenny Kravitz) oder den Präsidenten von Panem (Donald Sutherland) ein, von den meisten anderen wird bestenfalls ihre Funktion bei den Hungerspielen deutlich. Das Publikum soll stets bei Katniss bleiben, fühlen, was sie fühlt. Ihre Anspannung. Ihre Benommenheit. Ihren Schmerz. Ihren Zorn.

Dass Lawrence dazu fähig sein würde, ohne viele Worte zum Publikum durchzudringen, bezweifelte nach ihrer oscarnominierten Performance als mittellose Kämpfernatur Ree Dolly in "Winter's Bone" kaum jemand. Denn strenggenommen darf sie die Rolle, die sie schlagartig für Hollywood interessant machte, noch einmal spielen - nur in anderer Umgebung und vor größerem Publikum. Die geradlinige Struktur und die nüchterne Erzählweise, die Gary Ross aus dem Roman auf den Film übertrug, verstärken den Eindruck, dass "Die Tribute von Panem" eigentlich auf ein reiferes Publikum abzielt, als es Reihen dieses Formats normalerweise tun.

Tatsächlich wäre der lange, aber sehr fesselnde Film wohl ab 16 freigegeben worden, wenn sich Ross bei seiner Adaption nicht nur sehr eng, sondern sklavisch an Suzanne Collins' nicht gerade zimperlicher Vorlage orientiert hätte. In Großbritannien mussten sogar einige Sekunden herausgeschnitten werden, damit "Die Tribute von Panem" überhaupt die angestrebte Freigabe ab zwölf erhielt. Denn auch wenn der erste "Panem"-Teil in Sachen Spannung und Umsetzungsqualität mit "Harry Potter", in Sachen Medien- und Fanhype mit "Twilight" in einer Liga spielt, sollte ein Aspekt nicht vernachlässigt werden: Hier sind es keine Zauberer, die durch grüne Lichtblitze sterben, keine Fabelwesen, die sich gegenseitig bekriegen. Hier töten Kinder andere Kinder. Mit Messern, Schwertern, Pfeilen und Steinen. Manche aus Notwehr, manche aus Ehrgeiz.

Die Aufgabe, vor die Gary Ross gestellt wurde, war deshalb eine deutlich anspruchsvollere als die, ein erfolgreiches Jugendbuch zur Zufriedenheit der Fans und des Filmstudios auf die Leinwand zu bringen. Ihm oblag es, sehr, sehr reale Bluttaten so zu inszenieren, dass sie zwar gerade noch für ein jugendliches Publikum zuträglich sind, ihre Grausamkeit aber nicht in Frage steht. Und schon allein dafür, dass ihm das gelang, ohne voyeuristisch oder verharmlosend zu werden, verdient Gary Ross für seinen Auftakt zu "Die Tribute von Panem" mehr Anerkennung als Chris Columbus und Catherine Hardwicke für "Harry Potter und der Stein der Weisen" und "Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen" zusammen.
 
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Tel.: 0 18 05/24 63 62 99

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